KenFM und Querdenken – Die neue Querfront als Verstärker rechter Ideologien

Hallo, mein Name ist Timo und ich bin Aussteiger: Ich bin ehemaliger Anhänger und Konsument von Verschwörungtheorien.

Heute bin ich ein Spalter und “Linksfaschist”, weil ich in sozialen Medien auf die rechte Unterwanderung in der Szene aufmerksam mache und eine konsequent antifaschistische Einstellung besitze. 

Dabei würde ich nicht einmal behaupten, dass sich meine politischen Grundansichten stark verändert hätten. Ich erkenne nun einfach Problematiken innerhalb der Szene, die mir vorher verborgen blieben, oder die ich teilweise vielleicht auch willentlich ignorierte.

In dieser Analyse möchte ich erklären, warum ich die Querfront, die sich gerade durch die sogenannten Hygiene-Demos in Deutschland bildet zunehmend als bedrohlich empfinde und wie die Verbreitung von Verschwörungstheorien dazu beiträgt. Ich möchte mich hierbei auf die Plattform KenFM und die mit der COVID-19 Pandemie entstandene und von KenFM unterstützte Bewegung “Querdenken” konzentrieren. 

Außerdem hoffe ich mit diesem Text eine Art Grundwissen zu vermitteln, dass Menschen dabei helfen kann in Zukunft rechte Verschwörungsideologien zu identifizieren. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass niemand gegen Verschwörungsideologien immun ist. Darum richtet sich meine Kritik in diesem Text auch nicht an die Konsumenten verschwörungstheoretischer Inhalte oder die Teilnehmer der Hygiene-Demos, sondern an die großen Plattformen, die Veranstalter und die Aufheizer aller Couleur.

Ich zeige hier meine Perspektive als “Aussteiger”, als ehemaliger Konsument von KenFM Inhalten, der sogar 2014/2015 an der ein oder anderen Mahnwache für den Frieden teilgenommen hat. Ich kenne also sowohl die Gedankenwelt von KenFM Konsumenten, als auch einzelne Elemente der daraus entstandenen Protestbewegung auf der Straße.

Wie kam es dazu?

Aufgrund einer Verschiebung meiner persönlichen Interessen, hörte ich ca. 2017 auf KenFM Inhalte zu konsumieren. Ich begann mich mehr mit politischer Theorie und gesellschaftspolitischen Themen zu befassen und mich in linken Kreisen zu bewegen, was mir sehr half meine Frustration über bestimmte politische und gesellschaftliche Prozesse präziser fest zu machen.

Anfangs war mir nicht klar, wie sehr ich mich dadurch von den Inhalten die auf KenFM Verbreitung finden entfernt hatte. Hier und da stieß ich zwischendurch schon mal wieder auf ein KenFM Video, hier und da war vielleicht sogar ein interessantes Interview dabei, immer häufiger aber vielen mir auch Aussagen auf, die ich inzwischen als maßlose Übertreibungen und Panikmache wahrnahm. Ich sah darin allerdings kein großes Problem, geschweige denn eine Gefahr.

Das sollte sich allerdings mit der COVID-19 Pandemie ändern: Freunde und Familienmitglieder begannen Artikel und Videos mit mir zu teilen in denen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie als eine Aushebelung der Grundrechte bezeichnet wurden, mit dem Ziel eine Diktatur zu errichten. Vernünftige Diskussionen wurden immer schwieriger und einige trieb die Angst vor der Errichtung eines totalitären Staates sogar an den Rand der Verzweiflung. Es ging so schnell und ich fühlte mich so machtlos. 

Eines Tages hinterließ mir ein Freund eine Abschieds-Nachricht. Er war dem Glauben verfallen, man würde ihm seine Kinder wegnehmen, wenn er sie nicht impfen liese. Zum Glück hat er noch die Kurve gekriegt und sich nichts angetan, aber was auch immer er für Inhalte konsumiert hatte, die ihm diese Ideen eingeredet hatten, es war verdammt gefährlich. 

Er hatte mir die Tage zuvor viele Chat Nachrichten zu dem Thema geschickt. Darunter viele Artikel und Videos, die ich leider irgendwann, einfach aufgrund der ungeheuren Informationsflut, ignorieren musste. Das Erwachen kam als ich später unseren Chatverlauf nach Anhaltspunkten durchsuchte und dort das KenFM Video “Gates kapert Deutschland” entdeckte. Es umfasste all die großartigsten Behauptungen, die er mir die Tage zuvor auch schon mitgeteilt hatte. Da fiel mir zum ersten Mal auf, dass Ken Jebsen und ich ein großes Problem miteinander hatten.

Ken Jebsen behauptet in diesem Video, das auf Youtube inzwischen mehr als 3 Millionen Klicks hat, dass Bill und Melinda Gates die WHO, das RKI, verschiedene Medienunternehmen, die Charité Berlin und damit auch Herrn Drosten gekauft hätten und so die öffentliche Meinung und die Politik der ganzen Welt steuern würden. Sie hätten inzwischen „mehr Macht als Roosevelt, Churchill, Stalin und Hitler zusammen”. Weiter solle eine Impfpflicht über die Hintertür eingeführt werden, die Bill & Melinda Gates Foundation habe schon Versuche unternommen Frauen in Afrika und Indien über Impfstoffe zu sterilisieren und es wäre in Deutschland inzwischen schon so weit, dass man von der Polizei festgenommen würde, wenn man auf offener Straße das Grundgesetz in den Händen halte.

Natürlich hält keine dieser Behauptungen einer sorgfältigen Überprüfung stand. Sie alle wurden schon zu genüge widerlegt. Um nicht zu sehr auszuschweifen lege ich an dieser Stelle folgende Faktenprüfungen von Correctiv ans Herz:
https://correctiv.org/faktencheck/2020/05/08/grosse-verschwoerung-zum-coronavirus-wie-ken-jebsen-mit-falschen-behauptungen-stimmung-macht/
https://correctiv.org/faktencheck/2020/06/09/aerzte-fuer-aufklaerung-stellen-unbelegte-und-falsche-behauptungen-ueber-impfungen-in-indien-und-afrika-auf

Ich war geschockt. Ich konnte mich nicht erinnern, dass zu der Zeit als ich selbst noch KenFM Konsument war, auf der Plattform so völlig abgedrehte Theorien verbreitet wurden. Was war passiert?

Ich fing also an mich stärker mit dem Thema zu befassen. Ich wollte wissen, wie es so weit kommen konnte. Je mehr Nachforschungen ich betreib, desto mehr bemerkte ich, dass sich auf der Plattform nicht nur die Verschwörungstheorien zugespitzt hatten, sondern es leider auch eine eindeutige Verschiebung der Inhalte ins rechts-konservative Spektrum gegeben hatte.

Heute ist mir bewusst: Verschwörungsideologische Plattformen, die sich nicht klar von rechten Strömungen abgrenzen, machen sich zu einem Verstärker rechter Positionen. So ist KenFM in eine Spirale geraten in dem sich die Plattform und das Publikum gegenseitig immer weiter Radikalisiert haben.

Ich möchte hier versuchen diese Mechanismen anhand aktueller KenFM Beiträge und der von KenFM unterstützten Querdenken Bewegung, näher zu beschreiben.

Weder links noch rechts?

Laut Ken Jebsen ist die Einteilung von Menschen in linke und rechte politische Lager, ein veraltetes Konzept, dass im heutigen politischen Klima keine Rolle mehr spielt und nur noch dazu dient die Gesellschaft zu spalten.

Ihm wurde daher auch mit Beginn der Mahnwachen für den Frieden vorgeworfen eine politische Querfront zu bilden, also ein Bündnis zwischen linken und rechten Bewegungen aufzubauen oder zumindest eine Schnittstelle zwischen beiden politischen Rändern zu bilden. Auch wenn KenFM zu dieser Zeit hier und da mal ein paar zwielichtige Gestalten zu Gast hatte, gab es auf der Plattform selbst (noch) keine offen rechten Inhalte und es kam sogar zu Distanzierungen von rechten Ideologen, wie zum Beispiel dem Compact Herausgeber Jürgen Elsässer. Allerdings hat Ken Jebsen von Anfang an damit geworben, weder links noch rechts und somit vermeintlich unparteiisch und unvoreingenommen zu sein. Sein Credo: “Meine Zielgruppe bleibt der Mensch”. Die Inhalte auf KenFM sind überwiegend antikapitalistisch, antiimperialistisch und globalisierungskritisch, allerdings kulturell auch eher konservativ, mit einer Tendenz zur Ablehnung moderner Werte, einen Hauch Esoterik und einer Idealisierung autoritärer, nationalistischer Staaten, die sich den imperialistischen Bestrebungen der Vereinigten Staaten und „des Westens“ entziehen.

Seit der Trennung von Florian Kirner, alias “Prinz Chaos II” und Pedram Shahyar – die beide eine explizit linke Perspektive auf der Plattform vertreten haben – kann man eine deutliche Verschiebung der Inhalte, hin zu immer reaktionäreren Standpunkten erkennen und spätestens mit den Beiträgen Reiner Rupp’s zu den Black Lifes Matter Protesten, finden auch explizit rechte Inhalte auf der Plattform Verbreitung. In diesen wird die Propaganda von Trump Anhängern und Rechtskonservativen, wie zum Beispiel dem Fox News Moderator Tucker Carlson, ungefiltert übernommen. Danach sei BLM ein Tool “der Eliten”, deren Ziel nichts geringeres als die Zerstörung der Zivilgesellschaft sei. In einem anderen Beitrag “Bimbophil und Spaß dabei” von Matthias Bröckers, besteht dieser darauf, dass das N-Wort doch gar nicht so schlimm sei. Zitat: “Ich habe nichts gegen Bimbos und ich liebe Negerküsse”. In dem Beitrag verwendet er Strohmann Argumente, um die neu entfachte Anti-Rassismus Debatte ins Lächerliche zu ziehen, ja sogar bedrohlich wirken zu lassen. Es ist von “Gedankenverbrechen” die Rede, wenn man nicht konform gehe. Es soll also Augenscheinlich suggeriert werden, Antirassismus führe zu Totalitarismus.

Die Entwicklung, weg von linken Inhalten, ist meiner persönlichen Einschätzung nach auch (aber nicht ausschließlich) als ein Einknicken vor einem immer radikaler werdenden Publikum zu deuten.

Das Segment “Rebellunion” von Pedram Shahyar, das traditionell linke Positionen zum Thema hatte, hat von Beginn an die Gemüter der Zuschauer gespalten. Aber KenFM hat auch mit der Flüchtlingskrise 2015 bemerken müssen, dass Inhalte die sich zum Beispiel offen zu einer Willkommenskultur gegenüber Flüchtigen bekennen, bei seinem Publikum nicht so gut ankommen. Auch seine „kritische“ Berichterstattung zu den rechtsextremistischen Protesten und Ausschreitungen in Chemnitz 2018, kam bei seinem Publikum nicht wirklich gut an. Hier konnte man ein Einknicken KenFMs innerhalb kürzester Zeit beobachten. In dem Segment „Me, Myself and Media“ Nr. 45, bezeichnet Ken Jebsen die Ausschreitungen in Chemnitz als rechtsextrem und die Verfolgung ausländisch aussehender Menschen am Rande der Proteste als Menschenjagden. Sein Publikum war damit allerdings überhaupt nicht einverstanden. Das Video hat knapp 3.000 Downvotes und jede Menge empörte Kommentare abbekommen. Knapp eine Woche später veröffentlicht Ken Jebsen eine Stellungnahme, bei der er sich für seine Wortwahl entschuldigt und behauptet, dass er die Lage in Chemnitz heute anders einschätzen würde. (Quelle)

Ach wenn das Thema Migration bei KenFM in aktuellen Beiträgen aufkommt, wird das Augenmerk nur auf die Bekämpfung von Fluchtursachen gelenkt, mit der ein oder anderen Andeutung, Angela Merkel würde den Flüchtlingen nach Deutschland verhelfen, um Deutschland zu destabilisieren, oder ähnliche vage Behauptungen. Das ist in seinem Publikum nicht so Kontrovers. (Quelle)

Auf Dogwhistles, zu deutsch Hundepfeifen-Politik, kommen wir später noch zu sprechen.

Durch Ken Jebsens eigenen Anspruch weder links noch rechts zu sein und weil er seine Zuschauerschaft nicht vergraulen möchte, versucht er ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Das hat zu einem Ungleichgewicht geführt, in dem linke Bewegungen immer mehr Kritik erfahren, – sowohl Fridays for Future, als auch Black Lives Matter und “die Antifa” werden beschuldigt von “Eliten” finanziert und gelenkt zu sein, um die Gesellschaft zu spalten – während rechten Bewegungen und Strömungen keine Kritik entgegen gebracht wird.

Mehr noch: das benennen von Menschen mit rechter Gesinnung als eben solche, wird innerhalb der Szene als Spaltung empfunden. Dadurch ist auf KenFM ein “Safe-Space” für Rechte entstanden, in dem sie sich sicher sein können nicht für ihre Ansichten kritisiert oder gar geoutet zu werden.

Ein Schutzraum für Rechte

Im KenFM Interview des Psychiaters Hans-Joachim Maaz, beschreibt dieser Menschen die andere als rechts bezeichnen als Denunzianten mit inneren Konflikten und einem tief sitzenden Hass. Rechtssein wird als einfach eine andere politische Meinung abgetan und der “Denunziant” müsse in dem anderen doch eine Chance sehen, seinen eigenen Horizont zu erweitern. (Quelle)

Es geht also nicht mehr nur darum sich selbst dagegen zu wehren, als rechts bezeichnet zu werden. Man nimmt mit einem Mal alle Rechten in Schutz und beschuldigt diejenigen, die das benennen Hasserfüllt zu sein.

Ein besonders beeindruckendes Beispiel dieser Umkehr und der Weigerung sich von rechten Ideologien abzugrenzen, kann man in dem Video “Querdenken in Stuttgart: Hetze von Spiegel-“Journalist“ gegen den „Volkslehrer“ läuft ins Leere” bestaunen. Dort wird der Pressesprecher von Querdenken 711 (Veranstalter der Hygiene-Demos in Stuttgart), Stephan Bergmann, gefragt was er davon halte, dass sich der offen rechtsextreme und wegen Volksverhetzung verurteilte Nikolai Nerling, alias “Der Volkslehrer” für Holocaust Leugner einsetzt. Bergmann antwortet, dass auf der Hygiene Demo sowohl links als auch rechts für die Grundrechte zusammen stünden und sich nicht mehr spalten ließen. Er bezeichnet den Journalist als Spalter, der sich fragen müsse, ob er das Richtige tue. (Quelle)

Die Frage nach der Absurdität zusammen mit rechtsextremen Holocaustleugnern für die Grundrechte einzustehen wird also übergangen, stattdessen wird die Frage selbst als Absurd dargestellt und der Fragesteller als Spalter (im Videotitel sogar als Hetzer) bezeichnet. 

Diese Argumentationsweise ist leider emblematisch für die gesamte Bewegung. Allerdings muss man sich bei Bergmann tatsächlich Fragen, ob er diese Rhetorik nicht bewusst einsetzt um auch seine eigene Nähe zu rechtem Gedankengut zu verschleiern.

Der Tagespiegel hat eine Sammlung von mehr als 30 öffentlich getätigten Posts auf Bergmanns Facebook Seite dokumentiert, darunter mehrere die vor einer „Vermischung der Rassen“ warnen. (Quelle)

In seiner Videoantwort auf den Tagesspiegel Artikel, betont Stephan Bergmann wie oft er das Wort “Herz” in seinen Facebook Posts erwähnt hat. Die rassistischen Inhalte hatte er zu diesem Zeitpunkt natürlich schon gelöscht. Zum Glück hat der Tagesspiegel Screenshots nachgereicht. (Quelle)

Die Veranstalter halten es bis heute nicht für nötig sich zu den rassistischen Posts ihres Pressesprechers zu äußern. 

Eine rechte Unterwanderung?

Auf der Veranstaltung “Tag der Freiheit” am 01.08.2020 in Berlin, sprach man immer wieder von Liebe, Freiheit und Wahrhaftigkeit. Fast jeder Redner verwendete diese Sprache, fast so als gäbe es über diese Wortwahl eine Übereinkunft.

Der Gründer von “Querdenken”, Michael Ballweg, verkündete auch den Disclaimer: „Rechtsextremes, Linksextremes, Faschistisches, Menschenverachtendes Gedankengut, hat in unserer Bewegung keinen Platz”. 

Da KenFM und Co. aber Jahrelang unbeirrt daran gearbeitet haben, ihren Anhängern einzubläuen, dass all diese Bezeichnungen keine Bedeutung mehr haben, ist dieser Disclaimer natürlich auch völlig bedeutungslos und bleibt ohne wirkliche Konsequenzen. 

Auch zu den tatsächlichen Aufrufen zu der Demo durch die NPD, III. Weg, die Identitäre Bewegung, das Compact Magazin und einzelne AfD Mitglieder und MdBs, äußerte man sich nicht. 

Mann hatte ja auch offensichtlich kein Problem damit, Rechtsextremen eine Bühne zu geben: Auf der Kundgebung traten unter anderem Heiko Schrang und Oliver Janich auf. 

Oliver Janich sprach auf der Demo per Videobeitrag zum Publikum, weil man angeblich Angst hatte, dass “das herrschende System dazwischen funken würde”. Janich ist unterstützer der AfD und arbeitet für das ultrarechte Compact Magazin. Auf seinen Kanälen  verbreitet er unsägliche Hasskommentare. 

Auf seinem Telegram Kanal teilt er 2018 ein Video in dem er sagt “viele Leute die da heute an der Macht sind gehören eigentlich aufgehängt”. Als Antwort auf einen Facebook-Post des CDU Politikers Ruprecht Polenz, der die Nähe zwischen dem Sprecher der rechtsextremen Identitären Bewegung, Martin Sellner, der AfD und dem Christchurch Attentäter offen legt, antwortet Janich “Dieser Politiker ist ein Dreckschwein, eine Kanalratte, Abschaum, mir fällt kein Wort mehr ein für diese dumme, dreckige, miese Sau […] die die am lautesten brüllen, haben den meisten Dreck am stecken, vielleicht sollte ich mir den Typ mal vornehmen”.

Außerdem ist er einer der wichtigsten Verbreiter der QAnon Verschwörungserzählung in Deutschland. QAnon Anhänger glauben, angebliche Vertreter eines „Deep State“, Demokraten, Hollywood Schauspieler, “liberale Globalisten” und die “Hochfinanz” entführten Kinder, um ihnen in Folterkellern das Mittel Adrenochrom zu entziehen, welches als Verjüngungsmittel dienen soll. Donald Trump kämpfe im Geheimen gegen den “Deep State” um dem Treiben der Kinderschänder ein Ende zu bereiten. Diese “Eliten” möchten außerdem eine totalitäre Weltdiktatur errichten um die Menschheit zu versklaven. Auf der Demonstration liefen mehrere Hundert QAnon Anhänger mit. Man erkennt sie an dem “Q”, auf Fahnen, Schildern und T-Shirts. (Quelle)

Die QAnon Verschwörungsideologie wird inzwischen mit mehreren rechtsextremistischen Anschlägen in den USA in Verbindung gebracht. Aber auch der Attentäter des Terroranschlags am 19. Februar 2020 in Hanau, der 9 Menschen das Leben nahm, sprach in seiner Erläuterung über die Motive seiner Tat unter anderem über QAnon Inhalte.

Und es ist auch kein Wunder: Wenn man wirklich glaubt, man befinde sich im Kampf gegen “Kinderschänder-Eliten”, die eine totalitäre neue Weltordnung errichten wollen, dann sieht man Gewalt natürlich als berechtigtes Mittel und vielleicht sogar als letzten Ausweg.

Auch Michael Ballweg, Gründer von Querdenken, der einen eher gemäßigten Eindruck macht, äußert sich auf der Kundgebung zu QAnon: 
“Ich habe auch viele Kommentare gelesen, die gehofft haben, dass Donald Trump alle rettet und die dann enttäuscht waren, als er die Maskenpflicht eingeführt hat. Für mich steht das “Q” für question. Eine Gruppe von Fragestellern, die uns zum Nachdenken und Recherchieren anregen. Weil Querdenken heißt für mich Eigenverantwortung, Selbstbestimmung, Liebe, Freiheit, Frieden und Wahrheit”

Heiko Schrang warnt in seinen Youtube Videos, die er häufig vor einer Wand mit Bildern von John Lennon, Gandhi, Muhammad Ali und Bruce Lee dreht, regelmäßig vor “geplanten Flüchtlingsströmen” und beschwört in diesem Zusammenhang einen zivilisatorischen Untergang herauf. (Quelle)

Auch antisemitische Codes sind häufig in seinen Videos zu finden. So spricht er immer wieder von der „Hochfinanz“ – ein bekannter antisemitischer Code, den auch schon die Nazis verwendeten – und spricht ihr die Schuld an allem zu, was seiner Meinung nach in der Welt schief läuft. In einem Video ruft er die Menschen dazu auf sich von der Schuld zu befreien. Hinter den Schuldgefühlen der Deutschen würden “bestimmte Interessengruppen” stecken. (Quelle)
Außerdem verbreitet er auf seinem Youtube Kanal das Lied “Ich sehe was” von Lisa Fritz, das die antisemitische Textzeile “Der Schattenstaat, die Schurkenbank, der Gierkonzern, Wer nennt die Namen und die Sünden dieser feinen Herrn? Rothschilds, Rockefeller, Soros & Consorten, die auf dem Scheißeberg des Teufels Dollars horten.“ enthält.

Er publiziert unter Anderem in der rechtspopulistischen Zeitung “Epoch Times”. Mit der Chefredakteurin Renate Lilge-Stodieck ist er gut befreundet. Sie ist regelmäßig zu Gast. Dem Sprecher der rechtsextremen Identitären Bewegung, Martin Sellner, gibt er ein freundliches Interview und nimmt ihn in Schutz. Er würde zu unrecht von den “Mainstreammedien” als Nazi beschimpft. (Quelle)

Als Antwort auf die „Wir sind mehr“ Bewegung gegen Rechtsextremismus, hat er den Hashtag #wirsindnochmehr ins Leben gerufen und ein Buch mit selben Titel veröffentlicht.

Auf der Bühne zündet Heiko Schrang eine Kerze an und sagt: “Diese Kerze steht für Liebe, Versöhnung, Wahrheit und Wahrhaftigkeit”

Leider tappen viele Menschen in die Falle, dieser Love & Peace Rhetorik:
Man selbst gibt sich als friedliebender Mensch, der keiner Seele leid zufügen könnte und die Anderen sind die Hetzer, wenn sie auf die rechte und rassistische Hetze aufmerksam machen und Aggressiv, wenn sie mit allen Mitteln versuchen diese Hetze zu unterbinden und Rassisten und Nationalisten die Plattform zu entziehen.

Ich möchte an dieser Stelle entgegenkommend sein und KenFM nicht unterstellen, dass er, wenn er sich derselben Argumente bedient, eine bewusste Agenda fährt um rechte Ansichten zu normalisieren. Es könnte sich auch um eine ganz große Naivität und vielleicht auch eine gewisse Gleichgültigkeit, oder eine einfache Selbstüberschätzung handeln, dass alles noch im Griff und die Meinungshoheit zu haben. Die oben genannten Beispiele zeigen aber ganz klar, wie nützlich er sich rechten Ideologen macht, einen Schutzschirm für sie aufspannt, ja sich sogar zu Ihrem Spielball macht. 

Leider haben andere, wie zum Beispiel Jutta Ditfurth diese Entwicklung schon sehr früh erkannt und vor einer Erstarkung der Rechten mit den Mahnwachen für den Frieden gewarnt. Ich habe sie damals für eine Alarmistin gehalten. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass eine Bewegung für den Frieden zu einer Erstarkung der Rechten führen kann. Das klang für mich völlig absurd.

Heute ist mir natürlich klar, dass sich Rechte gerne hinter einer Frieden-, Freiheit- und Love & Peace-Rhetorik verstecken und diese Begriffe für sich umdeuten. 

Das Toleranz Paradoxon

Der wegen Volksverhetzung verurteilte, ultrarechte Nikolai Nerling alias “der Volkslehrer” ist auch ein perfektes Beispiel dafür, dass selbst Menschen, die sich offen Rechtsextrem geben, kein Problem damit haben dieselbe Rhetorik zu verwenden. Er war bei der Demonstration “Tag der Freiheit” am 01.08.2020 in Berlin auch anwesend.

In seinem Livestream gibt Samuel Eckert, Mitveranstalter der Demonstration, Nerling ein freundliches Interview. Mann kennt sich beim Vornamen und freut sich bei der Verabschiedung sich bald mal wieder zu sehen. (Quelle bei 3:53:00)

Auch Stephan Bergmann und Michael Ballweg scheint Nerling kein Fremder zu sein. Auf der Demonstration wurde Bergmann gefilmt, wie er Nerling bei der Begrüßung umarmt und es gibt Fotos auf denen Ballweg und Nerling sich vertraut unterhalten. Man könnte es auch als abgeschirmtes, konspiratives Treffen bezeichnen (siehe Fotos).

In seiner Freizeit veranstaltet “der Volkslehrer” auch eigene Demonstrationen. Wie zum Beispiel die vom 04.07.2020 vor dem Bundeskanzleramt, wo er und andere Redner offen eine “Rassentrennung“ fordern. “Rassenvermischung“ und “Multikulti“ seien “das Ende der Zivilisation“. Hier ein Videobeitrag des JFDA über die Veranstaltung: https://www.youtube.com/watch?v=9Wn3lX8FhSU

In einem Interview mit dem 3sat, beschreibt Nikolai Nehrling seine politische Agitation: “Ich agiere für […] Völkerverständigung, für Frieden und für Freiheit und vor allen Dingen für ein freies deutsches Volk und ein freies Deutschland”. Unter anderem äußert er sich in dem Interview offen antisemitisch und behauptet zum Beispiel, dass der Beitrag der Juden zur deutschen Kultur bis 1933 dem deutschen Volk geschadet hätte. (Quelle)

Nerlings Resume des Interviews: Der Interviewer, Barrie Kosky, selbst Jude, wäre Laut geworden, hätte ihn beleidigt und versucht ihn in eine Ecke zu stellen. (Quelle)

Es ist wichtig diese Taktiken zu erkennen. Rechte Hetzer werden ihren Gegnern vorwerfen sie seien intolerant und gegen die Meinungsfreiheit. Da Toleranz und Meinungsfreiheit als die höchsten Güter einer modernen und aufgeschlossenen Gesellschaft gelten, können sie so Menschen dazu bringen sich auf ihre Seite zu stellen, um sie zu schützen. Auch wenn die Rechtsextremen selbst offensichtlich nichts auf diese Werte geben. Man hört in diesem Kontext häufig das Zitat: “Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzten, dass du es sagen darfst.”, welches fälschlicherweise Voltaire zugeschrieben wird. 

Dieses Prinzip nennt sich das Paradoxon der Toleranz.

Der Philosoph Karl Popper beschrieb das in seinem Buch “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” folgendermaßen: 

“Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen. […] 
Damit möchte ich nicht sagen, dass wir z.B. intolerante Philosophien auf jeden Fall gewaltsam unterdrücken sollten; solange wir ihnen durch rationale Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche Meinung in Schranken halten können, wäre ihre Unterdrückung sicher höchst unvernünftig. Aber wir sollten für uns das Recht in Anspruch nehmen, sie, wenn nötig, mit Gewalt zu unterdrücken, denn es kann sich leicht herausstellen, dass ihre Vertreter nicht bereit sind, mit uns auf der Ebene rationaler Diskussion zusammenzutreffen, und beginnen, das Argumentieren als solches zu verwerfen; sie können ihren Anhängern verbieten, auf rationale Argumente – die sie ein Täuschungsmanöver nennen – zu hören, und sie werden ihnen vielleicht den Rat geben, Argumente mit Fäusten und Pistolen zu beantworten.

Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, dass sich jede Bewegung, die die Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels“

Leider treiben KenFM und andere Verschwörungsideologen mit Ihren Inhalten genau das voran, was von Karl Popper in diesen Zeilen beschrieben wird. Sie machen eine Begegnung auf rationaler Ebene unmöglich, indem sie eine faktenfreie alternative Realität imaginieren und gleichzeitig ihren politischen Gegnern vorwerfen sie seien von “der Elite” gelenkt und ihre Argumente tatsächlich ein Täuschungsmanöver um andere Meinungen zu Unterdrücken und die Gesellschaft zu spalten. 

Abkapselung und die Bildung alternativer Realitäten

Durch die Inhalte von KenFM und andere Akteure der Querdenken Bewegung, kapselt sich die Anhängerschaft immer weiter vom öffentlichen Diskurs ab. Die Inhalte kreieren nicht nur ein großes Misstrauen in Politik, Medien und die wissenschaftliche Gemeinde, sondern auch in den öffentlichen Diskurs im Allgemeinen und in so ziemlich jedes Thema, dass in der Öffentlichkeit große Zustimmung findet oder als allgemeiner Konsens gilt. 

Und nein, ich stecke hier nicht jeden Abweichler, Kritiker oder Skeptiker in eine Schublade. Ich rede hier nicht von einer gesunden Skepsis, gegenüber Medien und Meinungen, die sich als allgemeingültig ausgeben, sondern von einer kategorischen Ablehnung allem, was man als den „Mainstream“ ansieht.

Als wohl eindeutigstes Beispiel, wie sehr sich die Bewegung von der Realität abkapselt, kann man auch wieder die Demonstration “Tag der Freiheit” heranziehen. Dort versammelten sich, laut Polizeiangaben knapp 20.000 Menschen um gegen die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu Demonstrieren. Auf der Bühne sprachen die Veranstalter aber Mantraartig von 1,3 Millionen Teilnehmern und widersprachen den Angaben der Polizei und Medien vehement. Es würde eine Kampagne aufgefahren um die Bewegung klein zu reden. Wo die Zahl 1,3 Millionen herkam ist bis heute nicht klar. Sie ist jedenfalls frei erfunden. Schon am nächsten Tag machten sich verschiedenste Faktenchecker daran die Zahlen anhand von Luftaufnahmen und Tools zur Flächenberechnung zu analysieren. Das Ergebnis: selbst bei einer maximalen Auslastung der von der Polizei abgesperrten Fläche, von 5,5 Menschen pro Quadratmeter, hätten maximal 66.300 Menschen Platz gefunden. Auf Aufnahmen sind in den Menschenmengen allerdings auch größere lücken zu sehen. Die Schätzungen der Polizei seien also durchaus realistisch. (Quelle)

Die Veranstalter halten allerdings bis heute hartnäckig an dieser Behauptung fest. In dem Beitrag “Es passiert etwas in Deutschland” von Anselm Lenz und Batseba N‘Diaye, der am 05. August, also 4 Tage nach der Veranstaltung auf KenFM veröffentlicht wurde, wird die Fake-Zahl 1,3 Millionen wiederholt und es ist von der “größten bekannten Demonstration in der deutschen Geschichte” die Rede. Die Bewegung schafft sich ihre eigene Realität. Polizei, Politik und Medien haben sich ja sowieso gegen sie Verschworen. (Quelle)

Da sich Dinge, die man mit dem eigenen Auge erfassen kann und die man selbst erforscht hat besser einprägen, empfehle ich jedem, der noch immer skeptisch ist, mal im Internet die Bilder der Loveparade 1999 (ca. 1,4 Millionen Teilnehmer) und der Black Lives Matter Demo am 06.06.2020 in Berlin (ca. 15 Tausend Teilnehmer) mit den Bildern der Querdenken Demo zu vergleichen.

In dem KenFM Beitrag „Millionen Demokraten in Berlin erwartet | Von Anselm Lenz und Batseba N’Diaye“ wird dann verkündet, Ballweg erwarte auf der kommenden Demo, am 29. August in Berlin, 10 Million Menschen. Eine Zahl, die durchaus realistisch sei, „zumal die Initiativen unter dem Motto „Berlin invites the World“ auch große oppositionelle Delegationen aus Frankreich, Skandinavien, den Niederlanden, Polen, Spanien, Österreich, Serbien, Italien und Portugal erwarten.“ (Quelle)

In der Kommentarspalte auf Youtube liest man überwiegend Zustimmung und Jubel.

Ein weiteres Beispiel der Realitätsverweigerung: Der Veranstaltung wurde unter der Auflage der Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen stattgegeben. Allerdings trug kaum ein Teilnehmer eine Maske und die Abstandsregeln wurden auch nicht eingehalten. Auf der Twitterseite der Polizei Berlin finden sich vom Tag der Veranstaltung, beginnend ab 11:24 Uhr, 5 Tweets, die darüber Berichten, dass die Auflagen nicht eingehalten würden und mit Lautsprecheransagen der Polizei vehement darauf hingewiesen würde. Um 17:16 Uhr, hieß es dann schlussendlich:

Die Polizei sah sich also Aufgrund der Nichteinhaltung der Auflagen dazu gezwungen die Veranstaltung aufzulösen. Zu diesem Zeitpunkt lief die Demo schon knapp 6 Stunden, aber die Polizei kündigte den Veranstaltern offenbar auch schon lange zuvor an, dass sie diesen Schritt gehen würde, sollten die Auflagen nicht umgesetzt werden. Als Antwort auf diese Verwarnung, verkündete der Rechtsanwalt Markus Haintz auf der Bühne unter Jubel, dass man die Menschen nicht dazu zwingen könne Masken zu tragen. Man hat die Auflagen also sogar noch beschossen. Als die Demonstration dann tatsächlich aufgelöst werden soll, verkündet der selbe Markus Haintz “Das was hier passiert hat mit einer Demokratie nichts mehr zu tun und jeder Polizist dem ich heute in die Augen gesehen habe weiß das”. Die Veranstalter deuten die Auflösung als eine Unterdrückung der Versammlungsfreiheit und als diktatorischen Übergriff. Auch das wird Mantraartig bei jeder Gelegenheit wiederholt. Sie basteln sich ihr eigenes Opfer-Narrativ und tun alles dafür, dass sich ihre Prophezeiungen selbst erfüllen. 

Opfer-Narrativ und Heldentum

Immer wieder werden Geschichten einer ungerechten Behandlung gesponnen. Die Black Lives Matter Bewegung hätte zum Beispiel die Wochen und Monate zuvor, trotz Pandemie unbescholten Demonstrieren dürfen. Dabei wurde zum Beispiel die BLM Demonstrationen in Hamburg am 06.06.2020 sogar mit Wasserwerfern aufgelöst und auch in Medien und Politik gab es Kritik an der Nichteinhaltung der Abstandsregeln, so auch von Karl Lauterbach und Jens Spahn.

Das Opfer-Narrativ hilft dabei die eigenen Taten zu legitimieren und als heldenhaft zu deuten. Wenn man ungerecht behandelt und unterdrückt wird, muss man etwas großem auf der Spur sein, man führt einen heldenhaften Kampf. Auffällig ist hier auch der Vergleich zu den Montagsdemonstrationen gegen die DDR-Regierung, der von den Veranstaltern immer wieder angeführt wird. Damals kamen weite Teile der Bevölkerung zusammen, unabhängig der politischen Ausrichtung und schafften dadurch, einmalig in der Geschichte, eine friedliche Revolution. DDR-Medien bezeichneten die Montagsdemonstranten damals als „Rowdies“. Ihnen wurden unter Anderem schwere Gewalttaten vorgeworfen. Dieser Vergleich funktioniert natürlich nur, wenn man tatsächlich die Unterstützung weiter Teile der Bevölkerung hinter sich weiß. In einem solchen Fall könnte man auch getrost die Beteiligung einiger rechter Spinner an den Demonstrationen ignorieren und der Verweis der Medien auf rechte Demonstrationsteilnehmer (und Organisatoren) wäre in einem solchen Fall vielleicht durchaus mit dem „Rowdie“ Verweis zu vergleichen. Ich glaube, dass nicht zuletzt auch aus diesem Grund den Veranstaltern die exorbitanten Zahlen von 1,3 Millionen oder gar 10 Millionen Demonstrationsteilnehmern so wichtig sind.

Umfragen zeigen allerdings, dass die Demonstranten keineswegs den Unmut der Bevölkerungsmehrheit auf die Straße bringen. Laut einer Studie der Uni Erfurt halten 59 % der Deutschen die Corona-Maßnahmen für angemessen, 28 % der Befragten finden sogar, dass die Maßnahmen nicht weit genug gehen. Nur 11 % empfinden die Corona-Maßnahmen als übertrieben. (Quelle)

Das geht so weit, dass der Helden-Mythos, wenn man sich die Redebeiträge auf den Veranstaltungen einmal anhört, tatsächlich einen höheren Stellenwert zu haben scheint, als tatsächliche politische Forderungen. Diese klingen mehr nach Pep-Talks. Die Redner wirken wie Animatoren, die den Zuhörern zusprechen, dass sie Teil eines einzigartigen, historischen Moments seien, an dessen Ende eine – um die Sprache der Redner zu verwenden – friedliche, freiheitliche und wahrhaftige Gesellschaftsordnung stehe. Hierfür fordern die Redner nicht mehr und nicht weniger, als eine Aufhebung aller Corona-Maßnahmen und einen Rücktritt der Regierung. Vorstellungen, wie es nach dem Regierungsrücktritt weiter gehen könnte gibt es: keine. Das ist umso besorgniserregender, wenn man bedenkt, dass die Demonstranten Seite an Seite mit demokratiefeindlichen Organisationen und Parteien stehen.

Eine völlig zugespitzte Rethorik

Die Paranoia- und Opfer-Rethorik in verschwörungsideologischen Kreisen hat sich seit COVID-19 drastisch zugespitzt. Die Begriffe „Merkel-Diktatur“ oder „Lügenpresse“ fallen längst nicht mehr nur in Pegida nahen Kreisen, Rainer Rupp zum Beispiel spricht in seinem Propaganda Machwerk auf KenFM „Eine Farbenrevolution in den USA?“ von „Presstituerten“ und von „Drecks- und Schrottmedien„, Impfgegner sehen sich verfolgt und kleben sich Judensterne auf die Brust, die Maskenpflicht in Schulen wird als Kindesmisshandlung bezeichnet, usw. Man hat das Gefühl es gibt dort einfach keine Graustufen mehr. Umso mehr, möchte ich mich an dieser Stelle um Differenzierung bemühen.

Solange es Menschen mit Geld und Macht gibt, werden diese Mittel und Wege finden ihren Einfluss zu maximieren und dabei natürlich so gut wie möglich versuchen ihre Verstrickungen zu vertuschen. Es gab und gibt also viele wahre Verschwörungen. Etwas anderes zu behaupten wäre naiv und schlicht falsch. Der Abhörskandal der NSA, Watergate und die Iran-Contra-Affäre sind nur ein paar Beispiele für wahre Verschwörungen. Die bis heute nicht vollständig aufgeklärten Verstrickungen des Verfassungsschutzes mit dem NSU geben sogar aktuell guten Anlass Theorien über Verschwörungen zu Entwickeln. Allerdings sollte einem klar sein, dass diese nur Theorien bleiben, solange sie nicht durch Fakten untermauert oder widerlegt werden.

Die wirkliche Gefahr sehe ich in Verschwörungsideologien, also in einem Weltbild in dem “die Eliten” Politik, Medien und Institutionen kontrollieren und sich gemeinsam gegen die restliche Weltbevölkerung verschworen haben, um ein ganz bestimmtes Ziel zu verfolgen. In einem Weltbild, dass diese Verschwörungstheorien gar braucht um nicht in sich zusammen zu fallen. Verschwörungsideologische Erzählungen bauen einfache Feindbilder und Stereotype auf. Die wirkliche komplexität der Weltgeschehnisse wird dabei zwangsläufig extrem vereinfacht. 

In unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem sind auch Nachrichten nur Waren und so können auch Medienhäuser nicht für sich beanspruchen zu 100% frei der Einflussnahme bestimmter Interessengruppen zu sein. Das fängt schon bei den persönlichen Interessen und Ansichten der Journalisten und Redakteure an und im schlimmsten Fall findet auch eine tatsächliche Einflussnahme bestimmter Interessengruppen zum Beispiel über Thinktanks statt. Der Begriff “Mainstreammedien” wird oft im Kontrast zu sog. “unabhängigen” Medien genannt. Doch wenn man es genau betrachtet ist diese Unterscheidung eher schwammig. “Unabhängige” Medien sind wichtiger Teil der Medienlandschaft. Doch wer garantiert deren Unabhängigkeit? Auch sie können sich erstens nicht frei von den persönlichen Interessen und Ansichten ihrer Journalisten und Redakteure machen und zweitens sind sie in den meisten Fällen auch profitorientiert.

Eine Tageschau ist keine Bild, ist keine taz, ist keine Junge Welt. Und all diese sind natürlich auch kein KenFM. Ein KenFM, ist kein Compact, ist kein Epoch Times, ist kein Russia Today.

Das eigentliche Problem liegt in der Umdeutung von Fakten, als alternative Meinungen und im schlimmsten fall als Falschinformationen, darin “die Mainstreammedien” als nichts weiter als ein Tool “der Eliten” zu betrachten und erst recht in den “Lügenpresse” rufen und den Feindseligkeiten die Journalisten inzwischen entgegen gebracht werden. 

Wer sind eigentlich die Verschwörer?

Ich habe beschrieben, wie Ken Jebsen versucht die Grenzen zwischen links und rechts zu verwischen und wie er einen Schutzraum für rechte ideologen schafft. So kultiviert sich KenFM ein immer radikaleres Publikum. Und durch seinen Anspruch weder links noch rechts zu sein und weil er seine Zuschauerschaft nicht vergraulen möchte, wird er weiter versuchen ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Weil sie keine Kritik erfahren, können rechte Ideologen die Bewegung immer weiter unterwandern und sich sogar, wie wir anhand der „Tag der Freiheit“ Demo gesehen haben, an deren Spitze stellen und ein riesen Publikum abschöpfen.

Als wäre das nicht genug, lässt KenFM in seiner Analyse über die Weltgeschehnisse Anknüpfpunkte für antisemitische Verschwörungsideologien. Wenn er von “den Eliten” spricht, dann nicht etwa im Sinne eines herkömmlichen Klassenkonfliktes, wonach die Dynamiken des Kapitalismus dafür sorgen, dass die Interessen der Kapitalisten, denen der arbeitenden Klasse diametral entgegenstehen. Nein, seine Analyse beschränkt sich leider viel zu oft auf eine ominöse “Elite”, die oft nur Vage beschrieben wird, meistens aber “Finanzhaie”, Hedgefondsmanager, die FED, der IWF usw. die Politik und Medien gekauft haben um die Welt zu kontrollieren. 

Die Propaganda der Nazis tarnte sich auch als Kapitalismuskritik. Sie unterschieden allerdings zwischen raffendem und schaffendem Kapital. Das raffende Kapital, das war die “Hochfinanz”, das “Finanzjudentum”, das “Weltjudentum”, es hatte sich verschworen um die Weltherrschaft an sich zu reißen. 

KenFMs verkürzte Kapitalismuskritik in Kombination mit seinen Verschwörungserzählungen, lassen also große Anknüpfpunkte für antisemitische Weltbilder. Sie werden durch diese sogar erst zu Ende gedacht. Erst wenn man die Namen und Motive genau kennt ergibt das Weltbild wirklich Sinn, erst dann ist es wirklich geschlossen.

Das soll natürlich nicht bedeuten, dass man den Einfluss der Finanzwelt nicht kritisieren darf, ohne gleich als antisemit bezeichnet zu werden. Nur, wie bei jedem dieser Themen, sind auch hier mehr nuancen möglich und auch nötig, wenn man schon die Tendenz besitzt ein bestimmtes Publikum anzuziehen.

Unter der schützenden Hand KenFMs können rechte Ideologen ungestört Leute abfangen und die Geschichte der (jüdischen bzw. zionistischen) Weltverschwörung zu Ende spinnen.

Kannst du das Pfeifen hören?

Dogwhistleling ist eine Strategie, die vor allem in rechten Kreisen verwendet wird, um die wahre Bedeutung hinter ihren Aussagen zu verschleiern. So können sie Aussagen treffen, die für die einen, die nicht Eingeweihten, völlig harmlos klingen und für die anderen eine klare Botschaft enthalten. Ähnlich einer Hundepfeife (Dogwhistle), die nur für Hunde hörbar ist. Rechte Ideologen verwenden diese Strategie um weiterhin rassistische oder antisemitische Botschaften verbreiten zu können und sich die Option einer glaubhaften Abstreitbarkeit offen zu halten.

Bei Dogwhistles verhält es sich also Ähnlich wie mit der Love & Peace Rhetorik: Es ist eine Taktik um die wahren Motive zu verschleiern.

Wenn Ken Jebsen behauptet „Finanzhaie“ und Hedgefondsmanager, die FED oder der IWF würden Politik und Medien kontrollieren, werden die einen nur das hören, die anderen werden sagen: „Aha! Die Juden regieren die Welt“

Dabei geht es mir hier nicht um die Intention, sondern in erster Linie darum, dass Antisemiten eben auch diese Sprache und Ideen seit Ende des zweiten Weltkriegs verwenden, um ihre Ideologie weiter Verbreiten zu können, ohne sich zu outen.

Ein etwas deutlicheres Beispiel, kommt von Heiko Schrang, dem ich sehr wohl eine Intention unterstellen muss. Wenn ein Heiko Schrang behauptet, hinter den Schuldgefühlen der Deutschen würden “bestimmte Interessengruppen” stecken, dann denkt sich ein nicht Eingeweihter erstmal nicht viel dabei, der Antisemit allerdings versteht sofort: Die Juden haben den Holocaust erfunden um die Deutschen durch permanente Schuldgefühle klein zu halten.

Ken Jebsen verwendet Dogwhistles auch als eine Art Verneigung vor rechten Ideen. So verwendet er ihre Sprache, deutet sie aber für sich um. In dem Video „5. März 2020! Wir schaffen das! NATO-Merkel destabilisiert Deutschland“ sagt er beispielsweise, dass Angela Merkel die Flüchtlingsströme mitorganisiert. In rechten Kreisen ist das für gewöhnlich ein Dogwhistle, für die Verschwörungstheorie, wonach es einen Plan gäbe über Flüchtlingsströme einen Genozid am deutschen Volk zu begehen. Im Kontext meint Jebsen dann allerdings nur, dass Deutschland durch seine Außenpolitik an den Flüchtlingsströmen eine Mitschuld trägt. Seine anderen Aussagen, Merkel würde Deutschland durch die Flüchtlingspolitik destabilisieren, oder ausbluten lassen, sind leider nicht mehr nur als Verneigung vor rechten Ideen zu deuten.

Wer sind die wahren Faschisten?

Der Höhepunkt des Hohns sind dann wohl die Ansichten KenFMs darüber was Faschismus und was Antifaschismus ausmacht. Nachdem er rechte ideologen in Schutz nimmt und sie unwidersprochen gewähren lässt, zeigt er nämlich auf diejenigen, die das Kritisieren und vor den Auswirkungen warnen und bezeichnet sie als die wahren Faschisten. 

Damit das überhaupt funktioniert muss man den Begriff Faschismus natürlich als erstes umdeuten. 

Das kann man Anhand des KenFM Beitrags von Peter Frey “Faschismus beginnt im Kopf”, ganz gut verdeutlichen, das mit dem obligatorischen und verklärenden Zitat “Der neue Faschismus wird nicht sagen, ich bin der Faschismus, er wird sagen ich bin der Antifaschismus” beginnt. In dem Beitrag beschreibt Peter Frey die “diskriminierung” gegenüber Menschen, die sich weigern die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ernst zu nehmen, als wieder aufflammen des Faschismus in den Köpfen. Aber die Einführung von Gesetzen und Verordnungen und das Ächten oder Bestrafen von Menschen, die sich nicht an diese halten, ist nichts weiter als die Gewährleistung eines gesellschaftlichen Zusammenlebens. Das ist kein Plädoyer für die Errichtung einer Law & Order Gesellschaft und man mag bestimmte Gesetze und Vorschriften als überflüssig betrachten, ja sogar verdammen, aber sie sind deshalb noch lange nicht faschistisch und vor allem dann nicht wenn sie, wie im Fall der Schutzmaßnahmen, die Schwächsten dieser Gesellschaft schützen sollen und auf alle Menschen gleichermaßen Anwendung finden. Menschen mit Erkrankungen, für die das Tragen einer Maske gesundheitliche Folgen haben könnte, können sich sogar ärztlich von der Maskenpflicht befreien lassen. Man wird unter den Maßnahmen Gegnern sogar einige finden, die dies schamlos ausnutzen und sich dennoch erdreisten die Maskenpflicht als totalitär/faschistisch zu bezeichnen.

In einem Punkt muss ich Peter Frey zustimmen: Faschismus beginnt in den Köpfen. Er beginnt bei der Einteilung in wertes und unwertes Leben, wie wenn man die persönliche Freiheit keine Maske in öffentlichen Räumen tragen zu müssen, über den Schutz der Ältesten und Schwächsten der Gesellschaft stellt. Bei der Verharmlosung von rechtem, rassistischem, xenophoben, antisemitischem und antidemokratischem Gedankengut, wie wenn man Behauptet diese Ansichten seien nichts weiter als eine andere Meinung. Bei der Umdeutung von Begriffen, die faschistisches Gedankengut verschleiern, wie wenn man behauptet Antifaschisten seien die neuen Faschisten, während man gleichzeitig Rechtsextreme vehement in Schutz nimmt. Und zu guter Letzt bei der aktiven Verbreitung faschistischen Gedankenguts, wie wenn man kein Problem darin sieht Rechtsextreme in die eigene Bewegung zu Integrieren und ihnen eine Bühne zu bieten. 

All dessen macht sich die Plattform KenFM regelmäßig schuldig und besitzt dann die Dreistigkeit zu behaupten, man habe erkannt was Faschismus in Wirklichkeit bedeute.

Und das in einer Zeit wo wir erneut ein Erstarken faschistischer Bewegungen auf der ganzen Welt beobachten können. Donald Trumps Amtseinführung und seine offen menschenfeindliche Rhetorik, hat zu einem Erstarken der Alt-Right Bewegung geführt. Mit ihm haben sie einen Unterstützer im Weißen Haus. Er zeigte Bestrebungen “die Antifa” zu verbieten (die Antifa ist keine Organisation) und bezeichnet BLM Demonstranten als Kriminelle. Bestärkt durch seine Rhetorik gab es inzwischen einige Angriffe von Trump Anhängern und Verfechtern der weißen Vorherrschaft auf Protestierende. Einige endeten sogar tödlich. Trump setzt Paramilitärs gegen die eigene Bevölkerung ein, zufälliger Weise ausschließlich in Staaten seiner politischen Gegner und gegen deren Willen. Gleichzeitig konnten im April, bis an die Zähne Bewaffnete Corona-Maßnahmen Gegner angefeuert durch Donald Trump höchst persönlich, mit Konföderierten Flaggen, Hakenkreuzen und Schlingen, ungestört in Regierungsgebäude einmarschieren und Beamte anpöbeln. Und Trump deutet öffentlich an, dass er die Präsidentschaftswahlen im kommenden November nicht akzeptieren wird, sollten sie gegen ihn ausfallen.
Wir können in Deutschland in den letzten Jahren eine Häufung rechtsextremistischer Terroranschläge beobachten, wie die Ermordung Walter Lübckes und die Anschläge in Halle und Hanau. Es bildet sich gerade ein Terrornetzwerk unter dem Namen NSU 2.0 mit Verbindungen in die Polizei. Auch bilden sich immer mehr rechstextreme Strukturen in der Bundeswehr und dem KSK. Der Militärische Abschirmdienst zählte 2019, 482 Verdachtsfälle. Im Mai diesen Jahres wurden auf dem Privatgelände eines KSK Soldaten Waffen und Sprengstoff sichergestellt. Im Juni stellte sich heraus, dass beim KSK 85.000 Schuss Munition und 62 Kilo Sprengstoff vermutlich entwendet wurden. Deutsche Journalisten, Politiker und Wissenschaftler erhalten regelmäßig Drohbriefe, mit den abscheulichsten Gewaltphantasien. Nach den Ausschreitungen in Stuttgart am 20. Juni 2020, betreibt die Polizei Stammbaumforschungen bei Tatverdächtigen. Während dessen verhindert Horst Seehofer eine Untersuchung zu Racial Profiling bei der Polizei und fordert stattdessen eine Untersuchung zu Gewalt gegen Polizeibeamte. Die rechtsextreme Vergangenheit des Vorsitzenden der deutschen Polizeigewerkschaft in Berlin wurde erst kürzlich aufgedeckt und zwei Oberstaatsanwälte wurden versetzt, weil bei Ihnen eine Nähe zum rechtsextremen Spektrum und Behinderung von Ermittlungen zu rechtsextremen Anschlägen vermutet wurde.

Für KenFM ist das alles keine Meldung wert, wenn überhaupt, dann nur um zu Verharmlosen, oder sogar der Gegenseite die Schuld zuzuschieben. Für Rainer Rupp ist die Sache in seinen Propaganda Beiträgen zu der BLM Bewegung klar: Die Demokraten spielen ein perfides Spiel. Sie feuern die BLM Proteste an, um Donald Trump zum Einsatz des Militärs im innern zu provozieren und daraus dann politischen Profit zu schlagen. Sie lassen ihm keine andere Wahl.

Menschen mit einem linken Selbstverständnis dürfte ein Einstieg in KenFM Inhalte zu diesem Zeitpunkt sehr schwer fallen. Wie weit muss sich ein Linker verrenken, bis er glaubt Black Lives Matter sei ein Tool “der Eliten”? Wer das glaubt, hätte sich wahrscheinlich auch gegen die US-Amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 50er und 60er gestellt. Oder dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona Pandemie, die vor allem alte, kranke und die Schwächsten der Gesellschaft schützen sollen, eine inakzeptable Einschränkung der persönlichen Freiheitsrechte darstellen? Menschen mit einer Affinität für konservative und rechte Positionen, haben mit solchen Aussagen allerdings kein Problem. 

Bei mir ist nur der Punkt erreicht an dem ich diese Entwicklung nicht mehr als reine Naivität abtun kann. Allerdings sind die Intentionen auch nicht wirklich wichtig. Das wären sie nur wenn Ken Jebsen noch offen für einen Diskurs wäre und das ist er in seinem verschwörungstheoretischen Wahn, mit seinen festgefahrenen Feinbildern einfach nicht.

Spätestens seit der COVID-19 Pandemie, können KenFM, Querdenken und andere Verschwörungsideologen ein immer größeres Publikum abfangen. Diese Entwicklung bereitet mir wirklich große Sorgen. Allerdings glaube ich nicht, dass die Bewegung zu diesem Zeitpunkt schon groß genug ist um eine akute Bedrohung darzustellen. Realistisch gesehen, ist den Menschen die schon zu tief in die verschwörungsideologische Szene abgerutscht sind, leider nur noch schwer mit Argumenten da raus zu helfen. Aus eigener Erfahrung weiß ich leider auch, dass niemand davor gefeit ist auf Verschwörungsideologen reinzufallen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch tun können, ist zu Verhindern, dass noch mehr Menschen in diese Pipeline geraten. Ich glaube nicht dass hier schon alle Mittel ausgeschöpft sind. Eine gute Entwicklung sehe ich in den ganzen Faktencheckern, die gerade aus dem Boden sprießen und dem Kennzeichnen von Fake News auf Social Media Plattformen. Denn auch wenn Verschwörungsideologen das gerne suggerieren: Fakten sind nicht einfach nur alternative Meinungen.

2 Kommentare zu „KenFM und Querdenken – Die neue Querfront als Verstärker rechter Ideologien“

  1. Claudia Pütz

    Dort vermischt sich wirklich alles. Einigen Unternehmern, Rechtsanwälten, Ärzten die nun auch aus dem Boden sprießen, unterstelle ich ausschließlich geschäftliche Interessen, kann nicht sein, dass die plötzlich alle psychotische Züge entwickeln. Eine große Angst, vor einer grün-links geführten Politik, ist offen jedem Unternehmer, bei normalen Talk Shows zu entnehmen. Einigen unterstelle ich hier einfach alles zusammen zu sammeln, um Nachteile ihrer Geschäftsmodelle entgegen zu wirken, dabei instrumentalisieren sie den Teil der Gesellschaft, der ihr Feind sein könnte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einige Akademiker den Kram, den sie von sich geben, wirlich glauben. Nicht alle aber einige.

    1. Danke Claudia, für deinen Kommentar. Das ist ein Aspekt, den ich tatsächlich auch in die Analyse aufnehmen wollte. Zumindest die Selbstinszenierung, das Charakterisieren der eigenen Taten als Heldenhaft, das Männlichkeitsbild, das Idealisieren von „Staatsführern mit Format“ usw. Das zieht natürlich auch ganz bestimmte Menschen an. Michael Ballweg zum Beispiel, möchte ja Bürgermeister von Stuttgart werden. Ich vermute bei fast allen Organisatoren und Rednern ein sehr großes Eigeninteresse. Beweisen kann ich es natürlich nicht.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.